
Deutschland bekommt ein gewaltiges Schuldenproblem: Erklärung dazu Schuldenproblem Deutschlands
eine Erklärung unserer aktuellen unlösbaren Probleme: hier Fabian erklärt das Geldsystem
SPIEGEL ONLINE
27. Februar 2012, 08:27 Uhr
Top-Ökonom Hans-Werner Sinn
Der Mann und die Milliarden-Bombe von Stefan Kaiser
Vor gut einem Jahr entdeckte Hans-Werner Sinn ein gigantisches Risiko in der Bilanz der Deutschen Bundesbank. Seitdem kämpft der Ökonom dafür, das Thema ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Doch das Problem ist zu sperrig für eine Talkshow. Sicher ist: Das Risiko steigt weiter.
Berlin - Der entscheidende Hinweis kam von jenem Mann, dessen Unterschrift die D-Mark-Scheine zierte: Der ehemalige Bundesbank-Chef Helmut Schlesinger machte den Münchener Ökonomen Hans-Werner Sinn auf einen seltsamen Posten in der Bundesbankstatistik aufmerksam: Ende 2010 waren dort Forderungen von mehr als 300 Milliarden Euro an andere Notenbanken des Euro-Systems verbucht. Sinn wunderte sich - und begann zu recherchieren. Was er herausfand, übertraf seine schlimmsten Erwartungen.
"Am Anfang hatte ich ja auch nur diese Zahl und wusste nicht so recht, was sie bedeutet", erinnert sich Sinn, der als Präsident das Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo führt. "Die Bundesbank sagte mir, das seien irrelevante Salden. Aber das hat mich nicht beruhigt." Er sprach mit Fachleuten bei den verschiedenen Notenbanken und mit Kollegen aus der Wissenschaft. "Jeder wusste ein bisschen was", sagt Sinn, "ich musste mir das Bild zusammenpuzzeln. Das war richtige Detektivarbeit."
Nach Wochen hatte Sinn ein Bild zusammengefügt, das den Betrachter erschauern lässt: Innerhalb des eigentlich harmlosen Zahlungsystems zwischen den Notenbanken der 17 Euro-Länder haben sich seit Beginn der Finanzkrise 2007 gewaltige Ungleichgewichte aufgebaut:
Solange die Währungsunion weiter besteht, ist das noch keine Katastrophe. Das Geld ist virtuell, es wird von den Notenbanken geschaffen, ohne dass es an anderer Stelle fehlt. Doch sobald ein Land austritt oder die Euro-Zone sogar ganz zerfällt, wird es brenzlig. "Wir sitzen in der Falle", sagt Sinn. "Wenn der Euro zerbrechen sollte, haben wir eine Forderung von fast 500 Milliarden Euro an ein System, das es dann nicht mehr gibt." 500 Milliarden Euro - das ist mehr als das anderthalbfache des Bundeshaushalts und deutlich mehr als alle Risiken, die alle Euro-Staaten zusammen bisher bei der Rettung der Währungsunion eingegangen sind.
So viel steht allerdings nur im schlimmsten Fall auf dem Spiel, etwa wenn der Euro komplett zerbricht. Wesentlich realistischer ist dagegen ein Austritt eines Landes, zum Beispiel Griechenlands. In diesem Fall müssten alle anderen Notenbanken gemeinsam die Schulden der griechischen Notenbank tragen. Die Bundesbank wäre gemäß ihrem Anteil an der Europäischen Zentralbank (EZB) mit rund 28 Prozent dabei. Bei 108 Milliarden Euro griechischer Verbindlichkeiten wären das etwa 30 Milliarden Euro.
" Jeder weiß jetzt, dass Deutschland den Euro retten muss"
Sinn liebt die Provokation. Doch man glaubt ihm, dass er sich in dieser Sache ernsthaft Sorgen macht. Er sitzt in einem Restaurant im Berliner Regierungsviertel. Auf dem Tisch hat er seinen Laptop aufgeklappt. Mit dem unteren Ende seines Kaffeelöffels zeichnet er die gelben und blauen Linien nach, die sich über den Bildschirm schlängeln. Sie sollen zeigen, wie sehr die Euro-Zone aus den Fugen geraten ist. "Das ist gefährlich", sagt Sinn, und seine Augen blitzen. Durch die Forderungen an die anderen Notenbanken sei Deutschland erpressbar geworden. "Jeder weiß jetzt, dass wir den Euro retten müssen - und zwar um fast jeden Preis."
Das klingt dramatisch. Und doch ist es Sinn bisher nicht gelungen, eine breite Öffentlichkeit für das Problem zu sensibilisieren. Nur langsam wächst das Thema aus den wirtschaftswissenschaftlichen Fachzirkeln heraus. In die großen seriösen Zeitungen hat er es zwar geschafft. Doch bis die "Bild"-Zeitung Sinns Entdeckung auf ihre Titelseite hebt, wird es wohl noch ziemlich lange dauern.
Dabei ist Sinn eigentlich alles anderes als zimperlich, wenn es darum geht, sich Gehör zu verschaffen. In Talkshows ist er auch deshalb gern gesehener Gast, weil er griffige Thesen formuliert und markige Sprüche klopft. Doch bei diesem Thema funktioniert das einfach nicht. Es ist zu komplex für die Talkshow. Hinzu kommt der sperrige Name: Target2 nennt sich das Zahlungsystem zwischen den Notenbanken. Das klingt ungefähr so spannend wie ein Seminartitel für Finanzbuchhalter.
Eigentlich sollte das System genau so harmlos sein, wie es klingt. Es sollte dazu dienen, die Zahlungsforderungen zwischen den Notenbanken abzuwickeln, die bei jeder grenzüberschreitenden Überweisung im Euro-Raum entstehen. Solange die Wirtschaft im Gleichgewicht ist und Waren und Geld in alle Richtungen hin und her fließen, gleichen sich die Salden dabei immer wieder aus. Selbst wenn ein Land mal mehr Güter importiert als exportiert, finanziert es diese Lücke in der Regel durch Kapitalzuflüsse aus dem Ausland. Auch dann sind die Target-Salden bei oder nahe null - so wie es bis Anfang 2007 der Fall war.
Ein Beispiel: Ein griechisches Unternehmen kauft bei einer deutschen Firma einen Lastwagen. Dazu überweist die Hausbank der Firma in Thessaloniki das Geld an die Hausbank in Stuttgart. Weil die Zahlung über die Zentralbanken läuft, entsteht dabei im Target2-System eine Verbindlichkeit der griechischen Notenbank gegenüber der Europäischen Zentralbank, umgekehrt erhält die Deutsche Bundesbank eine Forderung in gleicher Höhe gegenüber der EZB (siehe Grafik).
Der Saldo gleicht sich aus, wenn entweder Geld oder Waren von Deutschland nach Griechenland fließen. In den vergangen Jahren war es meistens eher Geld. Die griechische Geschäftsbank lieh sich das Geld, das sie für den Kredit an das griechische Unternehmen brauchte, zum Beispiel bei einer deutschen Bank.
Das ist schon für sich genommen ein Problem: Weil Länder wie Griechenland, Spanien oder Portugal seit Jahren mehr im- als exportieren, waren sie schon vor der Krise auf Kapitalzuflüsse aus dem Ausland angewiesen, um die von ihnen gekauften Güter und Dienstleistungen zu bezahlen. Deutschland hingegen erwirtschaftet stetige Exportüberschüsse und muss deshalb Kapital exportieren.
Solche Ungleichgewichte sind selbst in besseren Zeiten auf Dauer schwierig. In einer Finanzkrise können sie sogar zur Katastrophe führen, weil die Geldflüsse zwischen den Banken plötzlich stocken. So geschah es seit 2007:
Die Banken in allen Euro-Staaten mussten ihr Geld zusammenhalten. Sie zogen
sich aus vermeintlich unsicheren Ländern zurück. Auslaufende Kredite
wurden nicht mehr verlängert.
Hinzu kam die Angst der Reichen: Aus Sorge, ihr Geld könnte bald nichts
mehr wert sein, schafften sie es erst aus Griechenland, Irland und Portugal
heraus, später auch aus Spanien und Italien. Den Banken dort blieben weniger
Spareinlagen, die sie als Kredite weiterreichen konnten.
All das führte dazu, dass in Griechenland und den anderen Krisenländern
nicht mehr genügend Geld da war, um all die Importe zu finanzieren. Wollten
griechische Banken weiter Kredite vergeben, um den Kauf zum Beispiel deutscher
oder holländischer Produkte zu bezahlen, mussten sie es sich bei ihrer
Zentralbank leihen.
Die Zentralbank wiederum schöpft das Geld einfach aus dem Nichts - und
stellt es dem gesamten Euro-System als Target-Forderung in Rechnung. "Diese
Länder ziehen das Geld einfach aus der Druckerpresse", schimpft Sinn.
"Der private Geldfluss wird durch öffentlichen ersetzt"
Mehr noch: Bei den Sicherheiten, die die Zentralbanken für ihre Kredite an die Banken verlangen, sind sie immer laxer geworden. Wurden früher nur Staatsanleihen mit erstklassiger Bonität akzeptiert, dürfen mittlerweile auch zweit- und drittklassige Papiere eingereicht werden. Das schlägt sich auch in den Statistiken nieder: Allein zwischen 2005 und 2010 hat sich das Volumen der notenbankfähigen Sicherheiten von acht auf 14 Billionen Euro erhöht - seitdem dürfte es weiter gestiegen sein.
Gerade die Banken in Krisenländern, die ohnehin am Tropf ihrer Notenbanken hängen, reichen dabei auch noch die schlechtesten Sicherheiten ein. Griechische Finanzinstitute etwa haben vor allem Staatsanleihen ihres Heimatlandes in ihren Geschäftsbüchern. Auf dem freien Markt will solche Papiere niemand haben, doch die griechische Notenbank akzeptiert sie weiterhin als Sicherheit - und gibt im Gegenzug frisches Geld an die Banken aus. "Der private Geldfluss wird durch öffentlichen ersetzt", sagt Sinn.
Gefährlich wird das, wenn die Sicherheiten irgendwann einmal eingesetzt werden müssen, etwa wenn Griechenland aus der Währungsunion austritt und Bankrott anmeldet. Dann sind griechische Anleihen nichts mehr wert - und die Wahrscheinlichkeit, dass die griechische Notenbank ihre Schulden gegenüber dem Euro-System zurückzahlen kann, ist äußerst gering.
"Wenn das nur einer sagt, kann es ja nicht stimme n"
Am Anfang hat Sinn viel Kritik für seine Thesen einstecken müssen. In der Fachwelt gab es einen kleinen Aufschrei, als er sie zum ersten Mal ausführlich in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" veröffentlichte - auch, weil nicht alle Gedanken so sauber formuliert waren, wie es im aktuellen Arbeitspapier der Fall ist. Er übertreibe und spiele die Risiken künstlich hoch, lautete ein Vorwurf von Kollegen. Auch die Bundesbank selbst tat die auseinanderdriftenden Salden zunächst als mehr oder weniger harmlos ab. Sinn stand ziemlich alleine da.
"Alle dachten: Wenn das nur einer sagt, dann kann es ja nicht stimmen", erinnert sich der Ökonom. Er selbst habe aber nie an seiner Interpretation gezweifelt. Heute ist die Kritik weitgehend verstummt. "Ich habe mich zwei Wochen mit dem Thema beschäftigt", sagt ein deutscher Wirtschaftsprofessor. Dann habe er festgestellt: "Herr Sinn hat Recht. Die Analyse ist brillant." Andere geben eher zähneknirschend zu, dass das Risiko hinter den Target-Salden offenbar doch höher ist als sie anfangs glaubten.
Die Europäische Zentralbank bestätigt Sinns Analyse mittlerweile im Grundsatz, zieht aber zumindest öffentlich deutlich harmlosere Schlüsse daraus. Dass das Notenbankgeld innerhalb des Euro-Systems so ungleich verteilt ist, fördere sogar die Stabilität, da so finanziell solide Banken auch "in Ländern mit finanziellen Spannungen" ihren Liquiditätsbedarf decken könnten.
Das klingt allerdings nur beim ersten Hinhören beruhigend. Denn es heißt im Klartext: In den europäischen Krisenländern sind die Geschäftsbanken auf das Geld ihrer Notenbanken angewiesen, weil sie sonst keines mehr bekommen.
Euro-Bonds würden helfen, das Problem zu lösen
Welche Chance hat ein Phänomen, bei dem selbst Volkswirtschaftsprofessoren zwei Wochen zum Begreifen brauchen, jemals in einer Talkshow-Demokratie zum Thema zu werden? Doch nur weil ein Problem komplex ist, wird es nicht automatisch weniger wichtig.
Ebenso schwer fällt eine Antwort darauf, wie sich das Risiko wieder reduzieren lässt, ohne dabei die Euro-Zone ins Chaos zu stürzen. Denn genau das würde passieren, wenn man die Notenbanken der Krisenländer von heute auf morgen zwingen würde, ihre Schulden zu bezahlen. Sinn plädiert dafür, die Anforderungen an die Sicherheiten zu erhöhen, mit denen sich die Banken das Geld bei den Notenbanken leihen. Mittelfristig könne man die Notenbanken dann zwingen, ihre Verbindlichkeiten regelmäßig mit werthaltigen Papieren zu begleichen, ähnlich wie es im US-System der Notenbank Federal Reserve üblich ist.
Eine andere Möglichkeit, das Risiko der Notenbanken zu reduzieren, wäre
eine Verlagerung der Hilfen von der Geldpolitik auf die Fiskalpolitik: zum
Beispiel durch die Einführung von Euro-Bonds. Doch davon will Sinn lieber
nichts wissen. Er plädiert für härtere Methoden: "Die Regeln
müssen strenger werden", sagt er. "Und wer es nicht schafft,
sie einzuhalten, gehört nicht in die Euro-Zone." Da ist er wieder:
Sinn, der Provokateur.
Samstag, 14. Januar 2012
Ökonomen nennen die Herabstufung nicht nachvollziehbar, in Japan macht sich Sorge breit und deutsche Politiker sehen jetzt die Bundesrepublik massiv unter Druck.
Nach der Herabstufung von neun Euroländern durch die Ratingagentur Standard & Poor's
bemühen sich die Politiker um Schadensbegrenzung. Unklar sind vor allem
die Auswirkungen auf den Euro-Rettungsfonds EFSF, nachdem das Euro-Schwergewicht
Frankreich seine Top-Bonität verloren hat. Deutschland steht nach Einschätzung
von S&P zwar hervorragend da, doch dies könnte nach Einschätzung
von Beobachtern auch dazu führen, dass es einen noch höheren Beitrag
zur Euro-Rettung zahlen muss als bisher.
So erwartet der FDP-Finanzexperte Frank Schaeffler ein deutlich höheres
Haftungsrisiko, was dazu führe, dass der deutsche Beitrag zum Triple-A-Rating
des EFSF von rund 40 auf fast 75 Prozent steige. Der deutsche Garantierahmen
von 211 Milliarden Euro werde daher nicht ausreichen, sagte Schäffler
dem "Handelsblatt". Und das werde auf Dauer auch das deutsche Rating
belasten.
Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich auf einer CDU-Vorstandsklausur in Kiel heute zu den Ratings und dem weiteren Vorgehen in der Schuldenkrise äußern. Schwierigkeiten gibt es derzeit auch in Griechenland, wo der geplante Schuldenschnitt mit Bankenbeteiligung noch nicht unter Dach und Fach ist, und bei den Vorbereitungen für einen Fiskalpakt. Kritiker warnen vor einer Aufweichung der Bedingungen.
Ökonomen können Schritt nicht nachvollziehen
Europas Politiker hätten nicht genug getan, um die Schuldenkrise einzudämmen, begründete S&P die Herabstufungen. Die Ratingagentur zeigte sich enttäuscht von den Ergebnissen des Eurogipfels im Dezember. Die Kreditkonditionen verschlechterten sich genauso wie die wirtschaftlichen Aussichten, warnte S&P. Europas Politiker seien sich noch immer uneins, wie die Krise zu lösen sei.
Dem widerspricht der Allianz-Volkswirt Rolf Schneider. "Angesichts der weitreichenden Reformen in vielen Krisenländern der Eurozone sind die Herabstufungen nicht nachvollziehbar", sagte Schneider, stellvertretender Chefvolkswirt bei der Allianz. Der jüngste EU-Gipfel hat nach seiner Einschätzung mit dem Fiskalpakt große Fortschritte gebracht. S&P hätte hier zumindest die weitere Ausgestaltung auf dem nächsten Gipfeltreffen Ende Januar abwarten können.
Weitere Herabstufungen als Folge
Für 14 Länder ist der Ausblick negativ, auch wenn der Kelch einer
Herabstufung jetzt an manchen vorübergegangen war. Die Chance liege damit
bei eins zu drei, dass die Staaten in diesem oder dem kommenden Jahr heruntergestuft
würden, erklärte S&P in einer Mitteilung. Neben Deutschland hat
einzig noch die Slowakei in der Eurozone einen stabilen Ausblick.
Im Bankenviertel "La Defense" in Paris muss umdekoriert werden.
"Es sind nicht die Ratingagenturen, die Frankreichs Politik diktieren", sagte Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister François Baroin im Fernsehsender France 2. Er rief dazu auf, einen kühlen Kopf zu bewahren. Der Verlust der Note "AAA" sei keine gute Neuigkeit, aber auch keine Katastrophe. Frankreich behalte eine "exzellente Benotung".
Das Bundesfinanzministerium erklärte, mit den bisherigen Beschlüssen
würden die Finanzen der Mitgliedsstaaten der Eurozone nachhaltig stabilisiert. "Wir
haben in jüngster Zeit erfahren, dass die Märkte dieses bereits positiv
zur Kenntnis nehmen." Auch der Vorsitzende der Euro-Finanzminister, Luxemburgs
Premier Jean-Claude Juncker, verwies auf die Fortschritte bei den Reformen.
S&P aggressiver als andere Agenturen
Tatsächlich waren einige Euroländer wie Italien jüngst wieder einfacher an Geld gekommen. Nichtsdestotrotz gehörte der Südstaat zu denjenigen, die direkt um zwei Stufen abgewertet wurden. Auch Zypern, Portugal und Spanien widerfuhr dieses Schicksal. Neben Frankreich rutschten Malta, die Slowakei und Slowenien um eine Stufe ab, genauso wie das bisher mit einer Spitzenbonität ausgestattete Österreich.
"Das ist schon ernst zu nehmen, zunächst einmal auf der europäischen Ebene", sagte der Chef der österreichischen Nationalbank, Ewald Nowotny, am Abend dem Fernsehsender ORF. "Natürlich gibt es viele Gründe, warum man mit dem Fortschritt in Europa nicht zufrieden sein kann. Nur das, was jetzt passiert, wird den Fortschritt eher erschweren."
Er sprach von einer politischen Aktion. Standard & Poor's sei "sicherlich
sehr viel aggressiver und sehr viel politischer" als die Konkurrenten
Moody's und Fitch. Als einzige Agentur hatte S&P auch den USA ihr Top-Rating
im vergangenen Sommer aberkannt. EU-Währungskommissar Olli Rehn ging ebenfalls
mit der Entscheidung von S&P ins Gericht: "Das geschieht zu einer
Zeit, in der die Eurozone entschlossen an allen Fronten auf die Krise antwortet",
sagte der Finne.
Japan rechnet mit Herabstufung
Japans Ministerpräsident Yoshihiko Noda fürchtet nun, dass sein Land nach der Herabstufung Frankreichs in den Fokus rückt. Europas Schuldenkrise sei nicht nur auf der anderen Seite eine Katastrophe, sagte Noda in einem Fernsehinterview mit "TV Tokyo". Wenn sich Japan auch in Zukunft bei der Haushaltsgestaltung nur auf das konzentriere, was gut für die Gegenwart sei, könne das Land in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Deswegen sei bei der Fiskalpolitik eine gewisse "Krisenstimmung" angebracht.
Noda hatte am Vortag sein Kabinett umgebildet. Mit diesem Schritt will der Ministerpräsident die Chancen erhöhen, dass eine umstrittene Steuerreform doch noch verabschiedet wird. Den steuerpolitischen Hardliner Katsuya Okada ernannte Noda zu seinem Stellvertreter. Japans Steuereinnahmen sinken seit Jahren.
Die größte der US-Ratingagenturen hatte Anfang Dezember die Noten der Eurostaaten unter verschärfte Beobachtung gestellt. Neben der Bundesrepublik behalten nun nur noch die kleineren Länder Niederlande, Finnland und Luxemburg ihre Topbonität. Weltweit sind es ohne Hongkong noch 13 Staaten.
In den Abgrund starren (Teil II) - Veröffentlicht am 31.01.2012 08:07:00 Uhr von John Mauldin
Werfen wir nun einen Blick auf einige Charts, die dem lesenswerten Bericht "The European Crisis Deepens“ entnommen wurden (herausgegeben vom Petersen Institute). Die Autoren, Peter Boone und Simon Johnson, können auf eine lange Liste von Referenzen verweisen.
Im ersten Chart sehen wir die Kosten für Kreditausfallversicherungen mit einer Laufzeit von 5 Jahren. Sie steigen alle. (Hier haben wir einen sogenannten Log-Chart. Bei der logarithmischen Darstellung steigt die Skalierung der Y-Achse mit jedem Schritt um den Faktor 10.) Wie man sehen kann, steht Portugal heute dort, wo Griechenland letztes Jahr stand. Beachten Sie auch, dass Italien dort steht, wo Portugal letztes Jahr stand. Ich dachte nur, ich gebe Ihnen eine Vorschau auf die kommenden Attraktionen, die Horrorversion.

Es folgt ein Chart, in dem die Lohnstückkosten von sechs europäischen Ländern verglichen werden. Allein in Irland sinken die Lohnstückkosten, weil die Arbeitnehmer Gehaltskürzungen akzeptierten und die Produktivität steigt. Achten Sie auch auf die stetig steigenden Kosten in Frankreich und vergleichen Sie diese mit den Lohnstückkosten in Deutschland. Dieser Trend legt nah, dass sich Frankreich auf dem Weg befindet, den einst Griechenland einschlug. Auf diesem Weg warten die Drachen.

Dieser Chart macht zudem deutlich, warum es Griechenland so schwer fallen wird, die Wende zum Positiven zu schaffen, wenn gleichzeitig die Möglichkeit einer Währungsentwertung nicht gegeben ist. Um gegenüber Kerneuropa wettbewerbsfähig zu werden, müssten sie sich Lohnkürzungen von 30% unterwerfen. Für solche Kürzungen wird es in Griechenland keine Freiwilligen geben. Nach zweijähriger Beteiligung (Einmischung?) des IWF und der europäischen Institution in Griechenland, haben sich die griechischen Lohnstückkosten so gut wie gar nicht bewegt.
Griechenland steht damit nicht allein. Oder haben Sie etwa gehört, dass allgemeine Lohnkürzungen zu den Lösungsvorschlägen für Italien, wo die Lohnstückkosten höher sind als in Griechenland, zählen? Auch in Portugal (nicht im Diagramm) bewegt sich dahingehend nichts. Die gesamte Eurozone ist aus dem Gleichgewicht geraten, und keiner macht Anstalten, diese Schieflagen in Angriff zu nehmen oder auch nur das Grundproblem anzuerkennen.
Noch vor einem Monat prognostizierten große Teile des europäischen Establishments eine positive Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts der Eurozone. Wie der jüngste Trend deutlich macht, war das von ihnen gerauchte Datenmaterial wohl halluzinogen. Und mit Blick auf den Ernst der Lage muss es bester Stoff gewesen sein. Deutschland befand sich im 4. Quartal des letzten Jahres in einer Rezession und wird dort wahrscheinlich auch im laufenden Quartal bleiben - was der technischen Definition von Rezession entsprechen würde. Randeuropa befindet sich auf jeden Fall in einer Rezession, in manchen Ländern dürfte man auch schon von einer Depression sprechen. Unten finden Sie den Einkaufsmanagerindex von sechs großen Ländern Europas. Ich habe eine dicke rote Linie bei der 50er-Marke gezogen, darunter beginnt das Negativwachstum.

Mal schauen, ob es mir vor dem Hintergrund des oben Beschriebenen gelingt, die Optionen einzugrenzen, die Europa aktuell bleiben. Nehmen wir zuerst den Fall Griechenland, weil er lehrreich ist. Griechenland hat zwei Möglichkeiten. Die Griechen können sich für Desaster A entscheiden: Sie bleiben in der Eurozone, senken die Staatsausgaben und erhöhen die Steuern, damit sie erneut die Auflagen für ein Rettungspaket erfüllen. Sie handeln weitere Schuldenausfälle aus und rutschen weiter in ihrer Zahlungsbilanz.
Sie leiden weiter vor sich hin, während es ihnen an Medizin, Energie und
anderen benötigten Gütern mangelt. Sie werden für die Dauer
einer ganzen Generation in einer Depression gefangen sein. Die Demonstrationen
werden größer und aggressiver, weil die Regierung immer mehr Einschnitte
vornehmen muss, um die rückläufigen Einnahmen auszugleichen - denn
jeden Monat verlassen auch 2,5 % ihres BIP in Euro das Land. Wir hier passiert,
ist ein Ansturm auf die griechischen Banken. Jeder griechische Bürger
nimmt nach Möglichkeit sein Geld von der Bank.
Die griechischen Wähler werden jene politische Gruppe (ganz gleich welche), die sich für Desaster A entschieden hatte, für die Misere verantwortlich machen und diese schließlich abwählen, während die Opposition einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone fordert. Womit wir natürlich bei Desaster B wären.
Der Austritt aus dem Euro ist ein Alptraum biblischer Proportionen, so wie 7 der 10 Plagen, die Ägypten heimsuchten. Zuerst gibt es einen "banking holiday“, die Banken schließen und alle Konten werden in Drachmen konvertiert, alle staatlichen Zahlungen wie Renten und Löhne werden jetzt in Drachmen ausgezahlt. Was passiert aber mit den privaten Verträgen, die mit nicht-griechischen Unternehmen in Euro abgeschlossen wurden? Das gesamte elektronische Geld wie auch das Bargeld in den Banken zu konvertieren, ist nicht das große Problem. Wie bekommt man aber die Griechen dazu, ihre Euros gegen Drachmen einzutauschen? Immerhin könnten sie einfach über die Grenze fahren und Güter zu günstigeren Preisen kaufen, denn jedem Währungswechsel wird Inflation und/ oder direkte, offizielle Entwertung folgen. Das muss es auch. Das ist ja auch Sinn und Zweck der Sache.
Wie will man nun Sorbas und Deimos dazu bringen, ihr verbleibendes Euro-Bargeld freiwillig auszuhändigen? Man könnte die Grenzen schießen, dann würde aber ein Schwarzmarkt für Euros entstehen, und die Griechen schmuggeln seit Jahrhunderten durch die Berge. Wie schließt man griechische Fischerdörfer? Wie verhindert man, dass es zum Treffen mit dem Cousin aus Italien kommt - im Mittelmeer für einen kleinen Währungstausch? Was passiert mit den nicht-griechischen Unternehmen, die Häuser oder Eigentumswohnung errichteten und verkauften? Werden diese Unternehmen in der sich entwertenden Drachme bezahlt, während sie zu Hause ihre Kosten in Euro begleichen müssen? Ganz zu schweigen von der Frage, wie man an "harte“ Währung kommt, um Medizin, Energie, Nahrung, militärische Ausrüstung , etc. zu kaufen. Die Liste ist lang. Ein Traum für Rechtanwälte.
Es gibt eine dritte Möglichkeit: Desaster C wäre noch schlimmer als die ersten beiden. Griechenland kann in der Eurozone bleiben und all seine Staatsschulden ausfallen lassen, wodurch sie eine Zeit lang komplett vom Anleihemarkt abgeschnitten bleiben. Sie hätten dann keine andere Wahl, als die staatlichen Dienstleistungen und Zahlungen (Löhne, Renten, etc.) drastisch zu kürzen. Sie hätten dann unter einer gewaltigen, verhängnisvollen Depression zu leiden, weil sie ihre Handelsaußenstände über Nacht begleichen oder ohne Handel auskommen müssten. Dann werden sie sich auf jeden Fall lieber für Desaster B entscheiden.
Es bleiben also nur Desaster A oder Desaster B als wirkliche Optionen. Ob sie sich für die direkte Rückkehr zur Drachme (Desaster B) entscheiden werden, ist nur eine Frage der Zeit. Sie kommen noch früh genug an diesen Punkt.
Aber warum warten sie dann noch? Wozu noch diese Scheingefechte? Weil Europa ein ungeordnetes Desaster B fürchtet. Für den Rest Europas wäre das der Abgrund. Die große Hoffnung der Griechen ist, dass Europa (d.h. Deutschland) sie weiter durchfinanziert, um selbst nicht den Schritt in den Abgrund machen zu müssen.
Ein europäischer Diplomat formulierte es so: "Trotz der beherzten Anstrengungen Papademos' erweckt es immer mehr den Eindruck, als ob das widerstrebende griechische Establishment die Zeit bis zu den nächsten Wahlen überbrücken möchte, in der Annahme, dass sie von der Welt auch weiterhin finanziell gerettet werden, ganz gleich, was auch passiert. “
Europa kommt dem Punkt immer näher, an dem es sich endgültig entscheiden muss, wie mit Griechenland zu verfahren ist. Theoretisch läuft die Frist für die Vergabe der nächsten Kredittranche am 29. März ab. Hier steht sehr viel auf dem Spiel und die Mitspieler meinen es todernst. Kann es sich Sarkozy mit Blick auf die im April anstehenden Wahlen erlauben, als schwach zu gelten, wenn er sich bezüglich Griechenland nachgiebig zeigt? Kann es sich Merkel mit Blick auf ihre unruhige Gefolgschaft erlauben, in der Griechenlandfrage als nachgiebig zu gelten? Bald danach stehen auch in Griechenland Wahlen an. Kann Papademos weiteren Haushaltskürzungen nachgeben und weitere Versprechen hinsichtlich zukünftiger Kredittranchen geben, die kaum zu halten und überaus unpopulär wären?
Die Märkte zeigen sich langsam erschöpft. Es wird keinen privaten Markt für griechische Schuldverschreibungen geben, zumindest nicht in einem Umfang, der die Überlebensfähigkeit längerfristig sichern würde. Gesetzt dem Fall, Griechenland bliebe in der Eurozone und der ungeordnete Ausfall träte nicht ein, so müsste das Land sehr lange auf der europäischen Intensivstation bleiben. Über das Jahrzehnt gerechnet würde das hunderte Milliarden Euro, Schuldenerlasse, etc. bedeuten. Es gibt keine guten Entscheidungen.
Unterm Strich sieht es wohl so aus, dass Italien (höchstwahrscheinlich auch irgendwann Spanien) nicht die benötigten Kreditmengen zu erschwinglicher Verzinsung aufbringen kann, ohne dabei massiv auf die Unterstützung der Europäischen Zentralbank zurückzugreifen. Schon jetzt nähern sich die Renditen wieder der 7%-Marke an. Aus italienischer Perspektive ist das untragbar. Deutschland muss sich entschließen, der EZB eine enorme Ausweitung der Bilanzen zu gestatten, oder Italien wird es nicht ohne Schuldenschnitte schaffen.
Allein ein Schuldenschnitt von 10% für italienische Staatsanleihen würde alles, was in Griechenland geschieht, in den Schatten stellen - und kaum etwas für Italien bewirken. Wenn Italien sich für einen Haircut entscheidet, dann wird dieser viel größer ausfallen. Französische Banken halten 45% der italienischen Staatsschulden. Italien ist zu groß, als das Frankreich es retten könnte. Sie können nicht einmal ihre eigenen Banken ausreichend ausstatten und schützen, für den Fall, Italien sollte zum Solvenzrisiko werden. Sie können gar nicht so viel Geld locker machen, ohne ihre eigenen Bilanzen zu zerstören. Die jüngste Herabstufung ihres Schuldenratings war nur die erste von vielen.
Wo wir gerade bei Herabstufungen sind:
Egan Jones ist meiner Meinung die glaubwürdigste Ratingagentur, und in 95% der Fälle folgen die "Big 3“ der Ratingagenturen (nach einer gewissen Zeit) ihren Entscheidungen. Die Herabstufung wird unter anderem mit der gewaltigen Schuldenmenge begründet, für die Deutschland garantiert. Sean Egan war einer der ersten seriösen Analysten, die auf einen Schuldenausfall Griechenlands hinwiesen. Schon vor langer Zeit sprach er davon, dass die Schulden Griechenlands letztendlich zu 95% ausfallen werden.
Europa wird sich in diesem Jahr entscheiden müssen. Entweder für eine viel straffere, beschränkte Fiskalunion mit einer Zentralbank, die in der Krise aggressiv Euros drucken kann, oder für ein Zerbrechen der Währungsunion, ob nun kontrolliert oder nicht. Ich glaube nicht, dass Europa die Entscheidung noch bis 2013 aufschieben kann, weil der Markt es einfach nicht zulassen würde. Entweder macht die EZB Ernst und entscheidet sich für echte Schuldenmonetisierung, wenn Italien und Spanien diese brauchen, oder der Laden fällt auseinander.
Da kommt einem das Zitat vom Anfang wieder in den Sinn: "Wenn alles so bleiben soll, wie es ist, muss sich alles ändern.”
Wie bei jeder langen Reise scheint die Fahrt (oder der Flug) ewig zu dauern, besonders wenn man sehr jung ist oder eben Anleger. Aber dann ist man plötzlich da. Die am Anfang schon erwähnte LTCM-Krise entwickelte sich über lange Zeit hinweg, aber dann endete sie mit einem Knall. Lehman Brothers oder Bear Stearns waren eben noch große Akteure und plötzlich sind sie weg. Ich denke, der Euro wird in diesem Jahr den Moment der Krise erreichen. Hoffentlich ist Europa vorbereitet.
Wenn Europa am Rand des Abgrunds steht und nach unten blickt, kommt der Rest der Welt hinterher, um auch einen Blick hinein zu werfen. Es kann uns alle zum Abgrund ziehen und auch über den Rand hinaus. Als ich in Singapur und Hongkong war, wurde ich wieder daran erinnert, wie sehr wir alle Europa brauchen, um all das zu überstehen.
Europa hat Probleme, die struktureller Natur sind und sich nicht mit weiteren Verträgen, Abkommen oder vermehrter Liquidität beheben lassen. Und vor diesem Hintergrund sind meine folgenden Gedanken zu betrachten:
1. Die Europäische Union funktioniert - meist besser als schlechter. Die Freihandelszone sollte erhalten bleiben. Es gibt Länder, die nicht in der Eurozone sind und in denen es einfach gut funktioniert. Wir leben im Computerzeitalter. Devisenumtausch ist eine computerisierte Transaktion und relativ einfach. Europa sollte sich auch weiterhin mit dem Rest der Welt abstimmen. Und von den Vorteilen gemeinsamen Handelns profitieren. Uns allen geht es besser mit einem vereinten Europa. Solange es keine stabilen Arbeits- und Produktivitätsmärkte in der gesamten EU gibt, sollte nicht auf eine gemeinsame Währung gedrängt werden. Gemeinschaftswährungen sind kein Garant für Konfliktlosigkeit. Tatsächlich durchgesetzter Freihandel und offene Grenzen hingegen schon.
2. Europa sollte sich eingestehen, dass der Euro in einigen Ländern einfach nicht funktionieren kann; und dann sollten diese Länder auch die Eurozone verlassen dürfen (aber gleichzeitig in der Freihandelszone verbleiben, wie heute schon Dänemark und Schweden). Es sollte vorab dafür gesorgt werden, dass ein Land so geordnet wie möglich zu seiner alten Währung zurückkehren kann. Ja, es wird in jedem Fall sehr große Verluste geben. Wenn dies aber kontrolliert geschieht, werden die Verluste weitaus geringer ausfallen als ohne Kontrolle. Man könnte ein dualistisches System einführen, so wie es bei der Einführung des Euros noch bestand. Man sollte eine Reihe von Gesetzen verabschieden, damit in den nächsten zwei Jahrzehnten nicht jeder jeden verklagt. Die europäischen Nationen sollten wie Erwachsene verhalten, die Freunde bleiben möchten und nicht Feinde auf Lebenszeit. Wenn Regeln und Gesetze nötig sind, so sollen diese geschaffen werden. Das jedoch schnell. Je länger es dauert, desto teurer wird es für Europa (und die Welt).
3. Griechenland muss eine Absage erteilt werden. Keine weiteren Kredite. Keine weiteren Drohungen. Wenn sie dabei bleiben wollen, dann soll sich der Markt mit ihnen auseinandersetzen. Ich bezweifle, dass alles ruhig und freundlich geschehen wird, aber sie müssen für sich selbst Verantwortung übernehmen. Niemand hat Griechenland gezwungen, so viele Schulden aufzunehmen. Jetzt ist die Zeit, Schadensbegrenzung zu betreiben. Das Geld sollte benutzt werden, um die eigenen Banken zu retten. Sobald sich Griechenland für den Austritt entscheidet (und das ist keine Frage des „ob“), sollte dem Land mit humanitären Leistungen geholfen werden (Medizin und Energielieferungen), aber neue Schuldenberge, die Griechenland nicht zurückzahlen kann, müssen verhindert werden. Man sollte sich auf Bedingungen einigen, die es dem Land erlauben, wieder auf die Beine zu kommen und weiterzuleben. Griechenland soll der Verbleib in der in Freihandelszone gewährt werden. Und auch alle anderen müssen ihre Lektion lernen: Man muss genau darauf achten, wem man sein Geld leiht!
4. Leider gilt dasselbe auch für Portugal, obgleich das Land mit einem angemessenen und sehr gesunden Schuldenschnitt in der Eurozone bleiben könnte.
5. Irland wird diese Bankenschulden nicht bezahlen. Man muss sich damit abfinden. Soll doch die EZB diese Kröte schlucken. Anschließend wird Irland den Rest seiner Staatsschulden abzahlen. Und dann kann es sich durch eigenes Wachstum von seinen Problemen befreien. Irland hat eine positive Handelsbilanz. Und wer mag die Iren nicht?
6. Italien und Spanien sind Problemfälle. Wenn sie in der Eurozone bleiben, werden sie hinsichtlich der Anleihezinsen umfangreiche EZB-Hilfen in Anspruch nehmen müssen, während sie ihre Defizite unter Kontrolle bringen. Europa sollte sich dafür oder dagegen entscheiden, es sollte die Welt aber nicht im Ungewissen lassen. Deutschland muss eine Entscheidung treffen und zwar ausdrücklich und in aller Öffentlichkeit.
7. Ich weiß nicht, was ich Frankreich empfehlen könnte. Das ist die schwierigste Frage. Sie verlieren gegenüber Deutschland und anderen Ländern ihre Wettbewerbsfähigkeit am Arbeitsmarkt, und sie haben schon jetzt ein Steuerniveau, das nicht weiter erhöht werden kann, zudem hohe Haushaltsdefizite, schlechte demographische Werte und gewaltige unfundierte, zukünftige Verpflichtungen aus der Krankenversicherungs- und Rentensystem. Sie haben Zeit, die Dinge in den Griff zu bekommen, wenn sie diese nur nutzen (wie auch die USA). Die Welt hofft zumindest, dass dies geschieht. Die Sorge um den Zustand der französischen Banken wurde überall in Hongkong geäußert. Die französischen Banken haben wesentliche Bedeutung für den Welthandel, die US-Banken (und andere) bei Weiten nicht haben. Sie verfügen nun einmal über die nötige Erfahrung und die Infrastruktur, um diese Art von Krediten zu vergeben. So etwas lässt sich nicht in kürzester Zeit aus dem Boden stampfen. Leiden die französischen Banken, leidet auch das Wachstum der Welt, das sich schon abschwächt.
Ich weiß, dass die Märkte gerade ein glückliches Ende der Eurokrise diskontieren. In meinen Augen besteht aber ein erhebliches Risiko schwerer Verwerfungen - auch wenn diese immer noch als eher unwahrscheinlich eingestuft werden. Sie sollten sich darauf einrichten. Wenn die großen Pensionsfonds und Stiftungen Glück haben, werden sie das Jahr mit plus minus Null abschließen. Kleinere Investoren sollten ihre Risikotoleranz dahingehend ausrichten, dass Europa seine Probleme nicht meistern wird.
Nächste Woche sind die USA dran. Wer denkt, Europa hätte Probleme, …
©
John Mauldin
Dieser Artikel wurde am 23. Januar 2012 auf www.financialsense.com veröffentlicht
und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.
Interview Stefan Homburg von Ingo Narat
Herr Homburg, welche Vermutungen über den Fortgang der Schuldenkrise lässt der Rückblick in die Geschichte zu?
Stefan Homburg: Ein Schlüsselerlebnis für mich war der 10. Mai des vergangenen Jahres. An diesem Tag startete die EZB ihre Aufkäufe von Staatsanleihen aus der Eurozone. Das war ein Vertrags- und Dammbruch, der stark an 1914 und 1933 erinnerte. In diesen Jahren wurde die Unabhängigkeit der Reichsbank jeweils eingeschränkt, Stichwort geräuschlose Kriegsfinanzierung. Von der Monetisierung der Staatsschuld bis zum Zusammenbruch der Währung vergehen allerdings erfahrungsgemäß einige Jahre, in den letzten Fällen in Deutschland jeweils rund ein Jahrzehnt. Gemessen daran bleibt also noch Zeit.
Wie sieht es mit den verteilungspolitischen Folgen aus?
Um die verteilungspolitischen Folgen einer Währungsreform abzuschätzen, können wir ebenfalls auf die damalige Zeit zurückblicken. Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte man Inflationsgewinne Privater, durch die etwa der Stahlmagnat Hugo Stinnes zu seinem Reichtum gekommen war, vermeiden. Anleihen waren 1923 wertlos verfallen, Sachwerte hingegen nicht. Ohne Korrektur hätte es 1948 erneut große Gewinner und große Verlierer gegeben. Deshalb wurden private Gewinne durch eine Hypotheken- und eine Kreditgewinnabgabe abgeschöpft: Wer seiner Bank 100000 Reichsmark geschuldet hatte, schuldete ihr jetzt 10000 Deutsche Mark und dem Staat weitere 90000 Deutsche Mark, die über Jahrzehnte abzustottern waren. Darüber hinaus wurden Sachwertbesitzer, also Eigner von schuldenfreien Immobilien oder Aktien, durch eine Vermögensabgabe von fünfzig Prozent belastet. Die Erträge dieser Enteignungen, die derzeit politisch schon wieder im Gespräch sind, flossen in den sogenannten Lastenausgleich.
Sollten wir vom Ansatz „Schulden bekämpfen durch noch mehr Schulden“ abgehen?
Durch das Verschieben von Schulden löst man kein Problem. Das gilt für Staaten ebenso wie für Banken oder Privatleute. Bei der Hypo Real Estate etwa wurden die Problembestände in eine Bad Bank aussortiert. Irische Bankschulden wurden zum Staat verschoben. Und derzeit werden Staatsschulden in die Rettungsschirme verschoben. Aber: Die Schulden verschwinden ja nicht, sie sind weiterhin existent, und die Situation wird immer bedenklicher. Insofern haben mich die Beschlüsse des EU-Gipfels Anfang November, den Rettungsschirm aufzustocken und außerdem noch zu hebeln, schockiert. Seltsam, dass der Dax stieg und die Kommentatoren des Lobes voll waren.
Gibt es eine Alternative zum Weg in die Haftungs- und Transferunion?
Die EU-Verträge verbieten eindeutig sowohl die gegenseitige Haftung als auch gegenseitigen Beistand in Krisen. Theoretisch müssten sich die Staats- und Regierungschefs also nur an geltendes Recht halten. Zum Sündenfall kam es am 9. Mai vergangenen Jahres, als umfangreiche Beistandszahlungen beschlossen wurden und die EZB griechische Staatsanleihen zu kaufen begann. Dann folgten irische, portugiesische, später spanische und sogar italienische Papiere. Die Kapitalmärkte trauen dem Hütchenspiel nicht. Das erkennt man an den Anleihen, die der Rettungsschirm EFSF seit Januar zu begeben versucht. Obwohl die Anleihen von den Eurostaaten garantiert werden, müssen sie zwei Prozentpunkte mehr Rendite liefern als vergleichbare Bundesanleihen, damit die Investoren sie kaufen.
Woran liegt das?
Der Grund liegt in einem Tabubruch, nämlich dem rund hälftigen Schuldenschnitt
für Griechenland. Während seit Ende des Zweiten Weltkriegs westeuropäische
Staatsanleihen niemals notleidend wurden und deshalb als bombensicher galten,
hat diese gemeinschaftliche Raubaktion der europäischen Staats- und Regierungschefs
die Investoren verunsichert. Die Anleger zweifeln nun nicht nur die Bonität
anderer Staaten wie Italien an, sondern sie fragen sich darüber hinaus,
was eigentlich „Garantien“ solcher Staaten wert sind, deren Regierungen
vor Enteignungen nicht zurückschrecken. Die Anleger fragen sich etwa,
ob ein Staat wie Deutschland im Ernstfall tatsächlich mit Hunderten Milliarden
in die Bresche springen würde oder sich nicht vielmehr auf die Position
zurückzöge, weitere Schuldenschnitte seien alternativlos. Insofern
sind die Rettungsschirme Potemkinsche Dörfer.
„
Die Euro-Zone hat keine Zukunft“
Wie bewerten Sie die Rolle der EZB als Monetisierer der Staatsschulden?
In diesem Punkt schließe ich mich zunächst den Stammtischen an und sage: Die EZB hat den EU-Vertrag gebrochen und damit ihren Ruf ruiniert. Hinzu kommen aber zwei weniger bekannte Gesichtspunkte: Erstens hat die EZB gegen traditionelle Regeln guter Zentralbankpolitik verstoßen, indem sie minderwertige Sicherheiten akzeptiert, etwa ungedeckte Schuldverschreibungen zweifelhafter Kreditinstitute oder eben Staatsanleihen mit Ramschstatus. Durch diese Fehler ist das europäische Zentralbanksystem korrumpiert.
Und zweitens?
Zweitens schwelt in dem Zahlungsverrechnungssystem „Target“ ein Problem noch viel größeren Kalibers. Dieses System soll transnationale Zahlungen ausgleichen, es ist aber zu einer riesigen Kreditmaschine degeneriert. Per Oktober 2011 hat die Bundesbank im Target2 System Forderungen von nicht weniger als 465 Milliarden Euro aufgebaut, hauptsächlich gegen europäische Problemstaaten. Die Schulden der Mittelmeerstaaten im Target2 System sind von ähnlicher Größenordnung, und das ist kein Zufall. Bei einem Austritt Deutschlands aus der Eurozone wäre ein erheblicher Teil der 465 Milliarden Euro ausfallgefährdet, weil auch diese Forderungen zwar formal besichert, die Sicherheiten aber ungenügend sind.
Welche Zukunft hat der Euro?
Sicher ist: Meine Beerdigungskosten werden nicht in Euro bezahlt werden. Die Eurozone hat keine Zukunft. Allerdings bin ich bezüglich des Zeitpunkts des Zusammenbruchs der Eurozone vorsichtig, denn die geschichtliche Erfahrung zeigt, dass Regierungen auch das Unvermeidliche oft beträchtlich hinauszögern können. Die Krise mag sich gut und gern noch einige Jahre hinziehen, kann aber auch schlagartig kulminieren, weil politische Prozesse unstetig verlaufen.
Ist höhere Inflation in der Zukunft unvermeidlich?
Ja. Bisher hat die EZB Staatsanleihen angekauft und die Geldvergabe an anderer Stelle abgeschöpft. Aber wenn Italien wackelt, könnte die EZB die dann erforderlichen Anleihekäufe kaum noch sterilisieren. Und kann sie es nicht mehr, wachsen unvermeidlich die Geldbasis, die Geldmenge und schließlich auch die Preise. Derzeit beträgt die Inflationsrate 2,8 Prozent, liegt also deutlich über dem Zielwert von 2 Prozent. Eigentlich müsste die EZB die Zinspolitik bereits jetzt verschärfen. Wartet sie aber, bis eine Inflation von vier oder fünf Prozent erreicht ist, ist ein Gegensteuern schwierig, weil höhere Zinsen sowohl Schuldnerstaaten als auch manche Banken in Schwierigkeiten bringen.
Zeigt das auch die Historie?
Ja. Erinnern wir uns noch einmal an 1914. Bei Kriegsanfang begann die Monetisierung
der Staatsschuld. Aber bis zur Hyperinflation 1923 dauerte es noch neun Jahre,
und 1920 ging die Geldentwertung zwischenzeitlich sogar zurück. Man nennt
das im Fachjargon Ketchup-Inflation: Erst kommt nichts aus der Flasche, aber
dann ein ganzer Schwall. Ein solches Desaster ist nicht unvermeidlich, aber
mit einer zumindest trabenden Inflation müssen wir wohl rechnen. In den
70er Jahren erreichten Länder wie USA, Großbritannien und Italien
zweistellige Inflationsraten.
„
Demokratien sind besonders gefährliche Schuldner“
Schulden sind gleichzeitig Vermögen bei einem anderen. Sind wir deshalb in einer Vermögenskrise?
Makroökonomisch entspricht die Summe der Schulden stets der Summe der Geldvermögen, das stimmt. Bei den Schulden gibt es jedoch unterschiedliche Kategorien: Unternehmer, die investieren, schaffen mit dem aufgenommenen Kredit reale Werte und können reale Sicherheiten bieten. Ähnlich verhält es sich bei Häuslebauern, deren Kredite ebenfalls dinglich gesichert sind. Staatsschulden werden jedoch in der Regel ohne Sicherheit aufgenommen und dienen auch nicht investiven Zwecken, sondern vornehmlich konsumtiven.
Welche Folgen hat das?
In diesem Fall steht den Schulden volkswirtschaftlich kein Vermögen gegenüber, sondern ein Scheinvermögen. Die angelsächsische Literatur spricht vom „debt supercycle“, der in den 1970er Jahren mit den keynesianischen Konjunkturprogrammen begann und sich nun langsam seinem bitteren Ende nähert. Weil Staatschulden ohne dingliche Sicherheit aufgenommen werden, sind Staaten im Vergleich zu Privaten die gefährlicheren Schuldner. Das wussten übrigens schon die alten Fugger, die von Fürsten höhere Zinsen verlangten als von Unternehmern. Nehmen wir als Beispiel Argentinien, das vor zehn Jahren seine Gläubiger vor die Wahl stellte, entweder ein Viertel des Geld zurückzubekommen oder gar nichts. Und das bei einer Schuldenstandsquote von nur 40 Prozent!
Welche Länder sind die gefährlichsten Schuldner?
Demokratien sind besonders gefährliche Schuldner, weil sich ihre Regierungen natürlich fragen, ob sie eher Ärger mit den Gläubigern riskieren sollten oder eher Ärger mit den Wählern. Schuldenschnitte kommen beim griechischen Wähler gut an, weil sie harte Sparprogramme erübrigen. Beim italienischen Wähler kommen Schuldenschnitte vielleicht ebenso gut an. Hierüber denken die Anleger derzeit verstärkt nach. Je höher der Anteil ausländischer Gläubiger, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Land für zahlungsunfähig erklärt. Vor diesem Hintergrund sind Regulierungen wie Solvency II abzulehnen: Mit diesem Regelwerk werden Versicherungen und Pensionsfonds gezwungen, vorwiegend in Staatsanleihen zu investieren, also in eine besonders problematische Assetklasse. Die Regierungen sehen dies natürlich augenzwinkernd, weil sie sich durch solche Regelwerke eine billige Finanzierungsquelle erschließen, also unter dem Deckmantel des Konsumentenschutzes in eigenem Interesse handeln. Aber wie sagt der Versicherungszyniker seit Menschengedenken: Im Krisenfall sind die mündelsicheren Anlagen als erste wertlos. Arme Riesterrentner!
Was kann man einem Anleger unter diesen Voraussetzungen strategisch empfehlen?
In schwerem Fahrwasser sollte der Anleger dreierlei beachten. Erstens sollte er nicht versuchen, klüger zu sein als alle anderen und zum Beispiel leichtsinnig Immobilien mit hoher Fremdfinanzierung erwerben. Bei den absehbaren Enteignungen und ähnlich drastischen Maßnahmen kann das ganz böse ins Auge gehen. Man denke nur an die oben erwähnten Hypothekengewinn- und Vermögensabgaben; wer nach dem Zweiten Weltkrieg Immobilien besaß, hatte im Handumdrehen eine Zwangshypothek im Grundbuch stehen. Amerikaner, die 1933 Gold besaßen, hatten ihr Gold bei Androhung drakonischer Strafen zum Freundschaftspreis an den Staat abzuliefern, deshalb ist auch Goldbesitz keine risikofreie Strategie.
Was noch?
Zweitens und in Zusammenhang hiermit sollte man sich defensiver aufstellen als bisher gewohnt, weil niemand absehen kann, aus welcher Richtung die Gefahren kommen: Inflation, Schuldnerausfall, Enteignungen? Daher ist drittens eine diversifizierte Anlage, auch wenn das wenig originell klingen mag, wichtiger denn je. Mit einem blauen Auge werden wohl die meisten rechnen müssen, aber wenn zumindest das andere Auge intakt bleibt, ist das alles nicht so schlimm. Wer ganz sicher gehen will, kann eigentlich nur Europa verlassen.
Stefan Homburg (50), Finanzprofessor an der Uni Hannover. Er ist Experte für öffentliche
Finanzen, nebenberuflich Steuerberater. Homburg untersuchte die Weimarer Hyper-Inflation
1923 und die Währungsreform 1948. Außerdem verwaltet er – in überschaubarem
Rahmen – Geld für Dritte. Hier bleibt er defensiv, denn die Lösung
der Schuldenkrise wird seiner Meinung nach sehr unangenehm.
Dazu ist anzumerken, daß es sich tatsächlich bei Bonds oder Staatsanleihen um Schulden handelt, welche von den jeweiligen Staaten gemacht werden, mit einer jeweiligen Dauer bis zur Rückzahlung in 2 oder 5 oder 10 Jahren.
Diejenigen, die diese „Papiere“ kaufen, leihen
also dem diese Staatsanleihen ausgebenden Staat Geld und erhalten dann dafür „Zinsen“.
Je besser die Rückzahlungsfähigkeit (auch Bonität genannt) des
Landes bewertet wird, um so niedriger ist der zu zahlende Zins. Oder anders
herum: je geringer das Vertrauen in die Rückzahlungsfähigkeit des
Landes, um so höher muß der gebotene Zins sein.
Bisher hat Deutschland immer den Ruf gehabt, einer der „vertrauenswürdigsten
Schuldner“ zu sein, der Deutsche Staat mußte für seine Schulden
im Euroraum die geringsten Zinsen zahlen.
Im Zuge der Finanzkrise scheint aber das Vertrauen der „Käufer“ dieser
Papiere zu schwinden. Anders läßt sich der Anstieg auch der deutschen
Zinsen wohl nicht erklären. Deutschland muß jetzt also auch mehr
Zinsen zahlen, um sich weiterhin Geld leihen zu können. Ist ja eigentlich
auch kein Wunder, wenn Deutschland inzwischen schon für die Schulden von
Griechenland und Irland mit haftet; was immer so niedlich bemäntelt wird
mit „diese Länder suchen Schutz unter dem Rettungsschirm“.
Mal sehen, wer als nächstes ein „trockenes Plätzchen“ unter
dem „Rettungs-Schirmchen“ benötigt.
Update vom 13.01.2011 10:11 CET
| Land | 2-Jahres Bonds |
Änderung in % |
5-Jahres Bonds |
Änderung in % |
10-Jahres Bonds |
Änderung in % |
| Griechenland | 10,95
|
+0,7
|
12,17
|
-0,8
|
11,20
|
-0,2
|
| Irland | 4,59
|
-1,6
|
8,32
|
-0,5
|
||
| Portugal | 3,97
|
-0,1
|
5,60
|
-1,2
|
6,78
|
-0,1
|
| Spanien | 3,35
|
-3,3
|
4,64
|
-2,8
|
5,37
|
-1,6
|
| Italien | 2,58
|
-0,9
|
3,75
|
-2,5
|
4,73
|
-1,1
|
| Belgien | 1,89
|
-5,4
|
3,29
|
-1,8
|
4,10
|
-1,8
|
| Österreich | 1,37
|
-3,4
|
2,61
|
-1,9
|
3,52
|
-1,1
|
| Frankreich | 1,11
|
-0,8
|
2,19
|
-0,3
|
3,42
|
-0,2
|
| Finnland | 0,94
|
-2,3
|
2,01
|
-0,5
|
3,22
|
-0,4
|
| Niederlande | 0,89
|
-0,3
|
2,00
|
-0,4
|
3,21
|
-0,3
|
| Deutschland | 0,98
|
+0,1
|
2,07
|
-0,3
|
3,04
|
-0,2
|
Aktueller Stand 23.07.2011
| Land | 2-Jahres Bonds |
Änderung in % |
5-Jahres Bonds |
Änderung in % |
10-Jahres Bonds |
Änderung in % |
| Griechenland | 27,62
|
+0,7
|
16,25
|
-0,8
|
14,68
|
-0,2
|
| Irland | 15,11
|
-1,6
|
11,88
|
-0,5
|
||
| Portugal | 15,39
|
-0,1
|
15,4
|
-1,2
|
10,95
|
-0,1
|
| Spanien | 3,873
|
-3,3
|
4,966
|
-2,8
|
5,769
|
-1,6
|
| Italien | 3,65
|
-0,9
|
4,735
|
-2,5
|
5,406
|
-1,1
|
| Belgien | 2,637
|
-5,4
|
3,591
|
-1,8
|
4,267
|
-1,8
|
| Österreich | 1,666
|
-3,4
|
2,617
|
-1,9
|
3,350
|
-1,1
|
| Frankreich | 1,627
|
-0,8
|
2,551
|
-0,3
|
3,414
|
-0,2
|
| Finnland | 1,513
|
-2,3
|
2,321
|
-0,5
|
3,187
|
-0,4
|
| Niederlande | 1,49
|
-0,3
|
2,325
|
-0,4
|
3,171
|
-0,3
|
| Deutschland | 1,388
|
+0,1
|
2,01
|
-0,3
|
2,828
|
-0,2
|
Aktueller Stand 21.11.2011
EURO- Land |
2-Jahres Bonds |
Änderung in % |
5-Jahres Bonds |
Änderung in % |
10-Jahres Bonds |
Änderung in % |
| Griechenland | 112,78
|
+1,2
|
42,42
|
+0,1
|
28,18
|
-0,1
|
| Irland | 8,3
|
-0,2
|
8,26
|
+0,9
|
||
| Portugal | 14,99
|
-2,1
|
13,33
|
-0,8
|
11,30
|
-0,1
|
| Spanien | 5,51
|
+1,3
|
5,88
|
+2,1
|
6,56
|
+2,8
|
| Italien | 6,28
|
+2,5
|
6,54
|
+0,4
|
6,67
|
+0,4
|
| Belgien | 3,92
|
-1,2
|
4,33
|
+0,4
|
4,80
|
+0,3
|
| Österreich | 1,64
|
-3,3
|
2,75
|
-1,8
|
3,40
|
+0,2
|
| Frankreich | 1,65
|
-1,0
|
2,6
|
3,44
|
-0,8
|
|
| Finnland | 0,83
|
-3,6
|
1,61
|
-3,6
|
2,58
|
-1,4
|
| Niederlande | 0,72
|
+0,4
|
1,64
|
-0,4
|
2,50
|
-0,6
|
| Deutschland | 0,41
|
-12
|
1,20
|
-6,8
|
1,90
|
-3,3
|
Also nunmehr deutlich zu sehen: Grichenland ist faktisch pleite! Derartig hohe Zinsen kann kein Land bezahlen.
Interessant sind aber die allerneuesten Steuereintreibungsversuche des griechischen Staates!
Nicht-Euro- Laender |
2-Jahres Bonds |
Änderung in % |
5-Jahres Bonds |
Änderung in % |
10-Jahres Bonds |
Änderung in % |
| USA | 0,29
|
-1,4
|
0,9
|
-2,6
|
1,97
|
-2,0
|
| Japan | 0,12
|
+3,3
|
0,31
|
+2,0
|
0,96
|
+1,2
|
| China | 3,1
|
3,41
|
3,65
|
|||
| Großbritanien | 0,48
|
-1,0
|
1,07
|
-4,5
|
2,19
|
-2,8
|
| Schweiz | 0,05
|
-34,8
|
0,25
|
-5,6
|
0,86
|
-3,2
|
| Canada | 0,89
|
-2,3
|
1,37
|
-1,6
|
2,10
|
-1,3
|

Bei einer Schuldenquote von mehr als 80 Prozent wie derzeit würden die zusätzlichen Zinskosten verursacht durch Eurobonds auf 25 Milliarden steigen. Zusätzlich würden bei einem Anstieg der Staatsrenditen auch die Finanzierungskosten für Unternehmen steigen. Investoren dürften höhere finanzielle Risiken durch die Gemeinschaftshaftung einpreisen, zudem würden die Standortbedingungen durch steigende Steuern belastet. Bedenkliche Aussichten für uns.
Die Schweizer Nationalbank (SNB) soll gemäss der «Financial Times Deutschland» (FTD) keine Schuldtitel mehr aus Irland als Sicherheit für Repo-Geschäfte annehmen. Die SNB habe sich per 21. Dezember dazu entschieden, die Schuldtitel von der Liste der hinterlegbaren Sicherheiten zu streichen.
Ratingagenturen hatten Ende 2010 die Bonität des krisengebeutelten Landes deutlich herabgestuft. «Sie erfüllen die nötigen Qualitätsgründe nicht mehr», begründet ein Sprecher der Nationalbank diesen Schritt gegenüber der «FTD». Aus Deutschland melden sich erste Kritiker: Zinsstratege Michael Leister von der WestLB, eine international tätigen Geschäftsbank mit Hauptsitz in Düsseldorf, liess gegenüber der «FTD» verlauten, dass diese Massnahme nicht helfe, «die Situation in Irland zu stabilisieren».
Die EZB muss sich rechtfertigen
Die SNB bringt nun die Europäische Nationalbank (EZB) in Rechtfertigungszwang. Die EZB beschloss im Zuge der Euro-Schuldenkrise ihre Sicherheitsanforderungen zu senken. Im Falle von Griechenland hatte sie gar beschlossen, Anleihen ganz unabhängig von der Bonität zu akzeptieren. Wenn nun Nationalbanken, wie jene aus der Schweiz, Staatsanleihen von Ländern mit tiefer Bonitätsstufe nicht mehr akzeptiert, dann stellt sich die Frage auch für die EZB.
Für die Schweizer Nationalbank ist es nicht das erste Mal, dass sie eine derartige Massnahme ergreift: Seit April 2010 akzeptiert sie auch keine Anleihen aus Griechenland mehr.
Dezember 2010
Update vom 7.12.2010 14.31 CET
| Land | 2-Jahres Bonds |
Änderung in % |
5-Jahres Bonds |
Änderung in % |
10-Jahres Bonds |
Änderung in % |
| Griechenland | 11,52
|
+0,4
|
12,5
|
+0,9
|
11,69
|
+0,6
|
| Irland | 4,38
|
+5,9
|
8,08
|
-1,1
|
||
| Portugal | 3,88
|
-0,2
|
4,83
|
-0,1
|
5,99
|
+0,8
|
| Spanien | 3,29
|
+3,4
|
4,50
|
+2,8
|
5,22
|
+1,3
|
| Italien | 2,40
|
-2,2
|
3,49
|
+1,0
|
4,55
|
+1,1
|
| Belgien | 1,77
|
+2,6
|
3,06
|
+2,1
|
4,01
|
+1,4
|
| Österreich | 1,07
|
+6,5
|
2,18
|
+2,9
|
3,32
|
+1,0
|
| Frankreich | 0,97
|
+3,2
|
2,08
|
+1,9
|
3,30
|
+1,3
|
| Finnland | 0,87
|
-0,6
|
1,92
|
+2,3
|
3,13
|
+2,2
|
| Niederlande | 0,87
|
+2,6
|
1,95
|
+3,0
|
3,12
|
+1,8
|
| Deutschland | 0,85
|
+4,9
|
1,80
|
+3,0
|
2,91
|
+2,1
|
Dazu ist anzumerken, daß es sich tatsächlich bei Bonds oder Staatsanleihen um Schulden handelt, welche von den jeweiligen Staaten gemacht werden, mit einer jeweiligen Dauer bis zur Rückzahlung von 2 oder 5 oder 10 Jahren.
Übrigens beläuft sich die
(Laut Bund der Steuerzahler vom 30.09.2010). Man beachte bitte im März 2010 waren "nur" 80 Miliiarden an Neuverschuldung geplant!
Vom Tilgen dieser Schulden redet schon lang keiner mehr. Es geht seit Jahren nur noch darum, „die Neuverschuldung“ zu begrenzen. Wie lange kann dieses Spiel wohl noch funktionieren? Die Schuldzinsen steigen (klar, die Fähigkeit, das Geld auch wirklich zurückzahlen zu können verschlechtert sich zusehens!) und die Schulden steigen auch noch. Also besser nicht nachrechnen, sonst könnten Sie unruhig schlafen!
Es gilt nicht umsonst der Spruch: "Die Schulden von heute, sind die Steuern von morgen!"
Haushalt 2010: Bundestag segnet Rekord-Neuverschuldung ab
Der Bundeshaushalt 2010 ist beschlossene Sache: Mit den Stimmen der Regierungsparteien
gab der Bundestag grünes Licht für die Rekord-Neuverschuldung von
rund 80 Milliarden Euro. Finanzminister Schäuble gelobte für die
kommenden Jahre Sparsamkeit.
HB BERLIN. Der Bund bricht alle Schuldenrekorde: Der Bundestag hat am Freitag den Haushalt 2010 mit einer Neuverschuldung von 80,2 Mrd. Euro gebilligt. Dies ist ein einsamer Höchststand in der Nachkriegsgeschichte. Finanzminister Wolfgang Schäuble verteidigte die massive Verschuldung jedoch als notwendig, um die Folgen der Rezession zu mildern und der Finanzkrise entgegenzusteuern.
Der CDU-Politiker versprach zum Schluss der viertägigen Etatberatungen zugleich, ab 2011 werde die Regierung strikt sparen. Seine Vorgabe: Jedes Jahr bis 2016 muss nun wegen der neuen Schuldenbremse das Defizit um zehn Mrd. Euro sinken. Details zu möglichen Einschnitten nannte Schäuble aber nicht. Der Etatentwurf für 2011 wird ab Mitte Mai bis Anfang Juli erarbeitet.
Schäuble wies auch Forderungen der Opposition zurück, schon in diesem Jahr massiv klimaschädliche Subventionen und Steuervergünstigungen zu streichen. Dies wäre Gift für die Konjunktur in der gegenwärtigen Krise, meinte er.
Auch der FDP-Finanzexperte Jürgen Koppelin verlangte, der kommende Etat 2011 müsse „ein Haushalt der Bescheidenheit“ werden. An die Ministerien appellierte er, keine Ausgabenerhöhungen zu fordern und keine überzogenen Wunschkataloge aufzustellen.
Die Linken-Abgeordnete Gesine Lötzsch rechnete vor, dass die tatsächliche Neuverschuldung des Bundes dieses Jahr auf über 124 Mrd. Euro klettert, wenn man die Schattenhaushalte zur Bankenstabilisierung und Konjunkturbelebung mit einrechnet. „Mehr Haushaltsnotstand geht wirklich nicht“, sagte sie. Trotzdem habe Bundeskanzlerin Angela Merkel den Bürgern Steuersenkungen versprochen, aber „ohne einen Cent in der Tasche“, kritisierte sie.
Den bisherigen Rekord bei der Neuverschuldung hatte 1996 der damalige CSU-Finanzminister Theo Waigel mit gut 40 Mrd. Euro aufgestellt. Über die Jahrzehnte hat allein der Bund inzwischen einen Schuldenberg von mehr als 1 000 Mrd. Euro aufgehäuft. Zusammen mit Ländern und Gemeinden sind es knapp 1 700 Milliarden.
Größter Ausgabenposten des Bundes ist im laufenden Jahr mit 143,2 Mrd. Euro der Etat für Arbeit und Soziales, darauf entfallen knapp 45 Prozent des Gesamthaushalts. Dickster Brocken ist darin der Steuerzuschuss zur gesetzlichen Rentenkasse von rund 80 Mrd. Euro. Danach folgen als zweitgrößter Ausgabeposten schon die Zinszahlungen mit 38,9 Mrd. Euro. Über den drittgrößten Etat verfügt das Militär: Das Verteidigungsministerium darf 31,1 Mrd. Euro ausgeben.
In der Debatte über den Etat des Gesundheitsministeriums stimmte Minister Philipp Rösler die Bürger auf weiter steigende Gesundheitskosten ein. Die medizinische Versorgung werde zwar immer besser, aber nicht billiger, sagte der FDP-Politiker. Zugleich versprach er, die stark gestiegenen Arzneimittelpreise zu drücken.
Rösler bekräftigte zudem sein Ziel, die Finanzierung des Gesundheitssystems umzubauen. Die bisherige Kopplung an die Löhne treibe die Arbeitskosten nach oben und sei zudem extrem konjunkturabhängig. „Notreparaturen“ reichten nun nicht mehr aus.
Sein Ziel sei daher ein größerer Anteil einkommensunabhängiger Beiträge. Details nannte der Minister jedoch nicht und verwies stattdessen auf die neu eingesetzten Regierungskommission, die bis zum Sommer erste Ergebnisse präsentieren soll.
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