Mittwoch, 7. Oktober 2009
Zur Zeit erleben wir wieder das üblichen Renten-bashing von den Totengräbern
der Sozialsysteme. Beim Thema "Renten" hören wir gebetsmühlenartig
immer die selben Schlagzeilen- eine Technik die man bereits bei den Römern
kannte.
Verdächtig ist es, wenn außer Schlagworten kaum Zahlenmaterial in
den Umlauf kommt. Im Prinzip ist das Thema Renten auf die Schlagworte begrenzt:
ca. 20 Millionen Renter, Leben auf Kosten der Jungen, Generationenvertrag und
Zuschuß zur
Rentenversicherung. Dann arbeiten wir mal den "mainstream" ab:
Der sog. Generationenvertrag ( also die arbeitende Bevölkerung bezahlt
mit ihren Beiträgen die Renten ) wurde längst aufgekündigt.
Aufgekündigt haben ihn weder die Alten, noch die Jungen - aufgekündigt
haben in knapp 700 Abgeordnete des Deutschen Bundestages im Rahmen der deutschen
Wiedervereinigung. Das ist unbestritten und wurde von allen Wirtschaftsforschungsinstituten
im Lauf der Jahre bestätigt. Mehrere Millionen Ost-Rentner treten in die
Rentenversicherung West ein und im Laufe der anschließenden De-Industriealisierung
des Ostens, in Verbindung mit explodierender Arbeitslosigkeit, fehlen einfach
die Beitragszahler. Selbst wenn man nun Wanderungsbewegungen Ost-West berücksichtigt
und zusätzliche Arbeitsplätze im Westen durch den Beitritt - so bleibt
ein Defizit von fast 50% in der Rentenversicherung Ost - Jahr für Jahr
seit dem Beitritt.
Dafür gibt es den sog. Umbuchungsbetrag West nach Ost im Geschäftsbericht
der BfA (hieß damals so) - immerhin 10 Millarden € jährlich.
Die zweite Ungenauigkeit betrifft die Zahl der Rentenempfänger. Im Wahlkampf hörte man immer ca. 20 Millionen. Schaut man in die Statistik der Deutschen Rentenversicherung sind es ca. 17.3 Millionen - nun, wir sind doch sonst so zahlenverträumt - warum schlägt man bei den Rentenempfängern fast 15% drauf ?
Und jetzt wird es für die Renten-basher ganz schlimm und natürlich wird diese Zahl niemals genannt. Von den 17.3 Millionen Rentnern empfangen nur 10.2 Millionen eine klassische Altersrente - also das, was sich jeder vorstellt, wenn man von Rente spricht.
Nun werden sich viele fragen, was ist mit den anderen 7.1 Millionen ?
• 1.6 Millionen Menschen erhalten eine Rente aufgrund des Status: "Schwerbehindert"
• 2.1 Millionen Menschen erhalten eine Rente aufgrund des Status: "Altersrente
wegen Arbeitslosigkeit"
• 300.000 Menschen erhalten eine Rente aufgrund des Status: Altersrente
nach Altersteilzeit
• 3.3 Millionen Frauen bekommen die typische, relativ niedrige, Altersrente
für Frauen ab dem 60. Lebensjahr. (Das wurde ja reformiert und funktioniert
nur noch mit Abschlägen)
Bis auf die Schwerbehinderten - schiebt man als rund 5.7 Millionen Rentenempfänger
im arbeitsfähigen Alter in eine Statistik, die eher den Namen "Schatten-Arbeitslosenstatistik" verdient.
Die Sozialsysteme würde im Geld ertrinken, wenn dieser Personenkreis noch
eine sozialversicherungspflichtige Arbeit ausüben würde.
Nun zum Vorurteil, daß die Renten zu hoch wäre: Schauen wir uns
zuerst die Eckrente an. Das Zahlenmaterial stammt aus 2008 ( sobald 2009 erscheint
aktualisiere ich das gerne im eigenen Interesse).
Die Eckrente liegt für Ost und West zusammen bei 1110 brutto. Davon gehen
100 € für Kranken und Pflegeversicherung ab. Bleiben also knapp 1000€ übrig
-für die im mainstream immer gerne gezeigten Rentnerpartys.
Interessant ist aber, wie sich die monatliche Höhe der Altersrente verteilt:
• 0-150 € : 1.610.775
• 150-300€: 1.657.632
• 300-450€: 1.653.266
• 450-600€: 1.947.613
• 600-750€: 2.253.489 • und schon gehts wieder abwärts
• 750-900€: 1.833.993
• 900-1050€: 1.553.466
• 1050-1200€:1.448.264 • und jetzt der Bruch
• 1200-1350€:
843.565
• 1350-1500€: 546.941
• 1500.1650€: 507.941
•> 1650€: ca.: 300.000
Ergebnis:
53% aller deutschen Rentenempfänger haben derzeit eine Rente unterhalb
von 750€ monatlich.
Und weil es gerade aktuell ist verabschieden wir folgende Minister aus der Großen Koalition in den Ruhestand:
•Entwicklungshilfeministerin Wieczorek-Zeul mit 9430 Euro monatlich.
• Gesundheitsministerin Ulla Schmidt mit 8410 Euro monatlich.
Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul hat nach Berechnungen des Bundes der Steuerzahler Pensionsansprüche in Höhe von 9430 Euro monatlich. Die Zahlungen für die 66-Jährige errechnen sich aus ihren Tätigkeiten im Bundestag, im Europäischen Parlament und als Ministerin, berichtet der "Stern".
Damit hat Wieczorek-Zeul die höchsten Ansprüche unter den scheidenden
SPD-Ministern. Ihr folgt die 60-jährige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt
mit 8410 Euro Pensionsanspruch. Beide können aufgrund ihres Alters ihre
Pensionen ab sofort erhalten.
Eingestellt von Ed Barner